Kallmann Museum Ansicht

Kallmann-Museum Ismaning: Orangerie-Fassade neu interpretiert

Im historischen Schlosspark von Ismaning bei München befindet sich das Kallmann Museum. Es ist in einem Nachbau der ehemaligen Orangerie aus dem 19. Jahrhundert untergebracht und prägt mit seiner klaren Kubatur das Ensemble des Schlossparks. Nach rund 30 Jahren Betrieb wurde das Gebäude umfassend saniert und technisch, energetisch sowie architektonisch zukunftsfähig gemacht. Bereits beim Näherkommen fällt die neue gelbe Aluminiumfassade ins Auge, die sich harmonisch in die Farbigkeit der benachbarten Bauwerke – Schlossmuseum und Schlosspavillon – einfügt. Die Verglasungen sind mit dem innovativen INFRASHADE®– Sonnenschutzsystem ausgestattet, das auch an warmen Sommertagen zu einem angenehmem Raumklima beiträgt und zugleich die konservatorischen Anforderungen an die ausgestellten Kunstwerke unterstützt.

Das Kallmann-Museum ist dem Maler und Zeichner Hans Jürgen Kallmann (1908–1991) gewidmet. Nach rund eineinhalb-jähriger Bauzeit wurde es im Januar 2025 wiedereröffnet. Das Münchner Büro Venus Architekten entwickelte den Bestandsbau unter Berücksichtigung technischer, konservatorischer und energetischer Anforderungen zu einem zeitgemäßen Museum weiter. Heute verbindet das Gebäude die Nutzung erneuerbarer Energien mit einem energieeffizienten Betrieb.

Im Mittelpunkt der Sanierung standen die Modernisierung der Ausstellungsräume, die Erweiterung der Nutzfläche durch die Überdachung des Innenhofs sowie die Optimierung von Raumklima, Sicherheit und Barrierefreiheit. Darüber hinaus wurden der Eingangsbereich und das Café neugestaltet – mit besonderem Augenmerk auf Tageslicht, Transparenz und thermischen Komfort. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die großflächig verglaste, nach Süden orientierte, Orangerie-Fassade dar. Die historisch bedingte Ausrichtung war für die ursprüngliche Nutzung als Orangerie ideal, erwies sich für den Museumsbetrieb jedoch hinsichtlich Raumklima und Belichtung als äußerst anspruchsvoll.

Die Fassade als Energielieferant

Von der ursprünglichen, witterungsanfälligen Holzfassade ist heute nichts mehr zu sehen. An ihre Stelle trat eine Gebäudehülle aus eloxiertem Aluminium, deren gefaltete Elemente der Fassade Tiefe verleihen und – je nach Lichteinfall – ein lebendiges Farbspiel erzeugen. Die charakteristische Struktur der Orangerie-Fassade mit ihren geneigten Flächen und dem zentralen Dreiecksgiebel blieb dabei bewusst erhalten.

Gleichzeitig wurde die Gebäudehülle energetisch vollständig neu gedacht. Die ursprünglich nahezu vollständig nach Süden verglaste Orangerie-Fassade führte zu hohen solaren Wärmeeinträgen und stellte sowohl hinsichtlich des Raumklimas als auch der konservatorischen Anforderungen an die Kunstwerke eine Herausforderung dar.

Ein wesentliches Entwurfsziel bestand darin, die unterschiedlichen Fassadenfunktionen gestalterisch zu einem homogenen Gesamtbild zusammenzuführen. Rund 65 Prozent der geneigten Fensterfassade wurden deshalb mit opaken Photovoltaik-Glaselementen ausgeführt, während die übrigen Bereiche als Sonnenschutzverglasung ausgebildet sind. Trotz ihrer unterschiedlichen technischen Funktionen sind beide Fassadentypen von außen nahezu nicht zu unterscheiden.

Für die Photovoltaikfassade kamen hochgedämmte Schüco Sunovation-Paneele mit einer Außenscheibe aus Photovoltaikglas zum Einsatz. Gemeinsam mit den Photovoltaikmodulen auf dem Dach generiert die Gebäudehülle den gesamten Strombedarf für den Museumsbetrieb.

Die transparenten Verglasungen wurden mit dem Sonnenschutzsystem INFRASHADE® ausgestattet und tragen zu einem dauerhaft angenehmen Raumklima bei.

Freier Ausblick, wirksamer Sonnenschutz

Das in die Verglasung integrierte Sonnenschutzsystem INFRASHADE® basiert auf der MicroShade®-Technologie und arbeitet vollständig passiv – ohne außenliegende Verschattung, bewegliche Bauteile oder zusätzlichen Wartungsaufwand. Herzstück des Systems ist eine mikrostrukturierte Folie auf der Innenseite der äußeren Glasscheibe. Ihre feinen Lamellen begrenzen den Eintrag von Sonnenenergie abhängig vom Einfallswinkel der Sonne: Während die hochstehende Sommersonne wirksam abgeschirmt wird, kann die tiefer stehende Wintersonne weiterhin zur passiven Erwärmung beitragen. Gleichzeitig bleibt die Tageslichtversorgung hoch und der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert) wird deutlich bis auf 12% reduziert.

Für das Kallmann-Museum bietet diese Technologie einen entscheidenden Vorteil: Die großflächigen Verglasungen bewahren den freien, farbneutralen Blick vom Café in den historischen Schlosspark, ohne Jalousien oder andere außenliegende Verschattungssysteme. Gleichzeitig werden Blendung und sommerliche Überhitzung reduziert – ein wichtiger Beitrag zum Komfort der Besucher und zu den konservatorischen Anforderungen der Ausstellungsräume.

Nachhaltigkeit konsequent umgesetzt

Das Energiekonzept des Kallmann-Museums setzt konsequent auf erneuerbare Quellen. Die in Fassade und Dach integrierten Photovoltaikanlagen decken den Strombedarf des Museums. In Verbindung mit der Wärmeversorgung aus Geothermie wird somit der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Energien gedeckt. Ergänzt wird das Konzept durch eine extensive Dachbegrünung. Sie speichert Regenwasser, verbessert das Mikroklima, fördert die Biodiversität und trägt zugleich dazu bei, sommerliche Wärmelasten zu reduzieren. Damit leistet sie einen zusätzlichen Beitrag zur Energieeffizienz des Gebäudes.

Rasmus Kleine, Museumsdirektor des Kallmann-Museums zeigt sich sehr zufrieden: „Wenn man bei starker Sonneneinstrahlung hinter der Scheibe im Foyer sitzt, merkt man, wie wenig Wärme hindurchkommt.“

 

Objektdaten:

Bauherr: Prof. Hans Jürgen Kallmann-Stiftung

Architekten: Venus Architekten München

Beratung Glasfassade: Flachglas MarkenKreis GmbH

Isolierglas: FLACHGLAS Wernberg GmbH

Sonnenschutzsystem: INFRASHADE® auf Basis der MicroShade® Technologie

Lieferung: KM Spezialglas, Wernberg

Montage: Elementbau Glogger, Augsburg

Bilder: Celia Uhalde Photographie

 

 

Kallmann Museum vor Sanierung
Das Museum vor der Sanierung. Bild: Venus Architekten
Kallmann Museum Vogelperpektive
Im Dunkeln wir deutlich, welche Teile der Fassade wirklich transparent sind.
kallmann museum Blick Photovoltiakfassade
Die Besucherin vesucht, durch die Photovoltaikfassade ins Innere zu schauen - vergebens.
Das innovative INFRASHADE sorgt für ein gutes Raumklima und ein helles Foyer. Bild: Microshade/Robert Sprang, rsfotographie
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