Mit Einbruch der Dunkelheit verlieren viele markante Gebäude einen Teil ihrer Wirkung. Fassaden, die tagsüber durch Proportionen, Materialien und Details prägen, werden nachts zu dunklen Flächen und sind im Stadtraum kaum noch wahrnehmbar. Auch beim Leipziger GRASSI Museum am Johannisplatz war die Architektur nach Einbruch der Dunkelheit bislang nur eingeschränkt erlebbar. Seit Dezember 2025 verändert die LED-Fassade diesen Eindruck: Die Fassadenstruktur wird auch nachts sichtbar und das Museum erhält eine neue Präsenz im Stadtraum. Die permanente Lichtinstallation „LICHT IN BEWEGUNG“ wurde vom Leipziger Künstlerduo DOPPELDENK gemeinsam mit dem Museum entwickelt.
Entworfen wurde die Lichtinstallation mit Bezug auf die historischen Glasfenster im Haupttreppenhaus des Museums. Diese gehen auf einen Entwurf des Bauhauskünstlers Josef Albers aus dem Jahr 1927 zurück. Die geometrische Gestaltung dieser Fenster wird in der neuen Lichtinstallation aufgegriffen und auf die Fassadenfenster der beiden Kopfbauten übertragen.

340 Lichtflächen, individuell angesteuert
Die technische Herausforderung für die dynamische Fassadenbeleuchtung bestand darin, die bestehende Fensterstruktur als Grundlage für eine dynamische Lichtgestaltung zu nutzen. Insgesamt wurden dafür 340 Glasflächen der beiden Kopfbauten mit transparenten LEDscreen®Lichtpaneelen ausgestattet, die dimmbare LEDs enthalten. Zusammen bilden sie ein etwa 150 m² großes Lichtkunstwerk.
Entscheidend für die Wirkung ist dabei nicht allein die Lichtquelle, sondern ihre Integration in die Glasfläche. Die transparenten sehr leichten LED-Paneele wurden nachträglich an die vorhandenen Drehkipp-Fenster montiert und bleiben bei Tageslicht weitgehend unsichtbar. Dank des geringen Gewichtes der LED-Elemente bleiben die Fenster voll funktionsfähig. Erst mit Beginn der Dämmerung treten die Lichtflächen hervor und machen die vorhandene Fenstergliederung zum Bestandteil der Inszenierung.
Die technische LED-Lösung für das Projekt entwickelte das Flachglas MarkenKreis Mitglied Kuzman Invision. Die LED-Technik ist nicht einfach vor die Fassade gesetzt, sondern in die bestehende Fensterstruktur integriert.


Lichtplanung trifft Fassadenplanung
Das Projekt zeigt, welche Möglichkeiten eine LED-Lichtinstallationin bestehenden Fassaden bietet. Entscheidend ist dabei, die vorhandene Architektur nicht zu überdecken, sondern ihre Struktur als Grundlage für die Lichtgestaltung zu nutzen. Für die Planung stellen sich unter anderem Fragen zur Positionierung und Dimensionierung der Lichtflächen, zur Integration in die bestehende Konstruktion und zur gleichmäßigen Lichtverteilung.
Im GRASSI Museum werden die einzelnen Fensterfelder digital angesteuert. Eine speziell programmierte dynamische Lichtsteuerung erzeugt aus fünf dezenten Farbabstufungen zwischen Schwarz, Grau und Weiß immer neue Kombinationen. Die Lichtbewegungen orientieren sich am geometrischen Raster der Fassade. So entsteht kein von außen aufgesetztes Gestaltungselement – die vorhandene Fassadenstruktur wird selbst zum Träger der Lichtinstallation. Die digitale Animation ermöglicht dabei immer neue Kombinationen der Lichtflächen.
Gerade bei Sanierungen kann dieser Ansatz interessant sein: Bestehende Glasfassaden lassen sich um eine zusätzliche, nachts wirksame Gestaltungsebene ergänzen, ohne die Architektur grundlegend zu verändern. Das Beispiel des GRASSI Museums zeigt, wie Licht, Glas und digitale LED-Steuerung zu einer neuen Gestaltungsebene der Fassade zusammengeführt werden können und eine dynamische Fassade entsteht.
Wie die Installation „LICHT IN BEWEGUNG“ wirkt und wie sich die Lichtflächen über die Fassade bewegen, zeigt die Animation auf www.kuzman-led.de