Z-zwo wird zu Z2 - ZÜBLIN saniert Konzerngebäude
In nur 18 Monaten hat ZÜBLIN sein Bestandsgebäude Z-zwo energetisch und nachhaltig überholt. Mit dem neuen Z2 wurde ein Projekt zum ressourcenschonenden und nachhaltigen Bauen im Bestand realisiert. Das Projekt, das den CO₂-Ausstoß im Gebäudebetrieb reduzieren soll, berücksichtigt verschiedene Aspekte nachhaltigen Bauens – von der Materialwahl und Energieversorgung bis hin zur Wiederverwendung beziehungsweise Rückführung von Materialien in den Kreislauf. Im Rahmen des Energiekonzeptes kommt der Fassade und den verbauten Verglasungen eine bedeutende Rolle zu. Flachglas MarkenKreis beriet Sonnenschutz-Isoliergläser, in Teilbereichen in Kombination mit CO₂-reduzierten Gläsern.
Nachhaltige Sanierung statt Abriss
Das 2002 von Eike Becker Architekten geplante Gebäude wurde nicht abgerissen, sondern gezielt und ressourcenschonend saniert. Durch den Erhalt von Rohbau, Treppenhäusern, Aufzügen und Sanitäranlagen konnte der Umfang neu einzusetzender Materialien reduziert werden. Die energetische Ertüchtigung umfasste die Dämmung von Dach, Fassade sowie der Decke zur Tiefgarage.
Für Heizung und Kühlung sorgen moderne Wärmepumpen. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach liefert erneuerbare Energie für den Eigenbedarf. Zusätzliche Solar-Module an der Fassade sowie ein Photovoltaik-Zaun, der zugleich als Absturzsicherung dient, ergänzen das Energiekonzept. Überschüssige Energie wird in einem Speicher zwischengespeichert und bei Bedarf genutzt.
Nachhaltige Materialwahl und Kreislaufwirtschaft
ZÜBLIN setzte auf kreislauffähige, teilweise cradle-to-cradle-zertifizierte Materialien und Bauteile. Rund 25 % der neu eingesetzten Materialien stammen aus Recycling- oder Wiederverwendungsquellen. Mindestens 85 % des verwendeten Holzes stammen aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft. Zudem bestehen mindestens 50 % des Betons, der Erdbaustoffe und Pflanzsubstrate aus Recyclingmaterial. Für die flexible Raumaufteilung kamen wiederverwendbare Trockenbauwände als Prototyp in einem Raum im EG zum Einsatz.
Die begrünte Fassade im Erdgeschoss dient im Sommer als natürlicher Sonnenschutz und kann zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. In der Tiefgarage stehen im ersten Untergeschoss 48 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge zur Verfügung.
Auch beim Fassadenmaterial wurde auf Ressourcenschonung geachtet: Verarbeitet wurde Aluminium mit einem Recyclinganteil von rund 75 %. Die charakteristischen Aluminiumbänder der Fassade wurden abmontiert, aufbereitet und wiederverwendet. Materialien und Bauteile, die nicht mehr genutzt werden konnten, wurden über die Plattform Concular in den Kreislauf zurückgeführt.
Parametrisch entworfene Fassade
Die innovative Planungsmethode Generative Design nutzt leistungsfähige Algorithmen und künstliche Intelligenz, um eine Vielzahl von Designoptionen zu entwickeln und zu bewerten. Durch den Einsatz parametrischer Modellierung konnte das Tool verschiedene Variablen wie Sonneneinstrahlung, Energieeintrag und architektonische Aspekte in Echtzeit simulieren. Die Software analysierte hunderte Fassadenvarianten, um eine auf die genannten Kriterien abgestimmte Kombination aus Energieeffizienz, Materialeinsatz und Tageslichtnutzung zu ermitteln. Der finale Fassadenentwurf zeigt die im Rahmen der Planung ermittelten energetischen und gestalterischen Zielsetzungen.
Neue Z2 Fassade
Während die alte Z-zwo Bestandsfassade gleichmäßig gerasterte Fassadenelemente aufwies, zeigt die neue Fassade des Z2 eine viel größere Lebendigkeit dank optisch aufgelöster Fensterraster und durch den vermehrten Einsatz opaker Flächen.
Im Erdgeschoss befinden sich Pfosten-Riegel-Fassaden unterschiedlicher Ausprägung: im Nordbereich eine Alu-Pfosten-Riegel-Fassade (Schüco FWS 60.SI), cradle to cradle zertifiziert; im Südbereich eine Holz-Pfosten-Riegel-Fassade mit Aluminium-Aufsatzkonstruktion. Die verbaute Weißtanne aus dem Bayerischen Wald wurde zu 100 % aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen.
Die Obergeschosse 1–5 kennzeichnen umlaufende Aluminium-Fensterbandkonstruktionen. Das gewählte Profilsystem weist die gleiche Bautiefe wie im Bestand auf, allerdings mit gegenüber dem Bestand veränderten technischen Eigenschaften. Mit Schüco AWS75.SI+ optimized wird ein U_W-Wert von 0,85 W/m²K erreicht. Sonderprofile mit integrierten Führungsschienen ermöglichen die Installation eines außenliegenden Sonnenschutzes. In jedem 2. Raster befinden sich Lüftungsklappen zur Herstellung des Außenbezugs. Die opaken Flächen reduzieren den solaren Energieeintrag. Das eingesetzte Aluminium hat einen sehr hohen Recyclinganteil.
CO₂-reduziertes Glas für die Fassade des Z2
Auch bei den Sonnenschutz-Isoliergläsern im Erdgeschoss und in den Obergeschossen wurde der Nachhaltigkeitsgedanke berücksichtigt. So kamen zur CO₂-Reduzierung bei allen Glasaufbauten keine energieintensiven thermisch vorgespannten Verglasungen zum Einsatz.
Im Erdgeschoss wurde das Dreifach-Sonnenschutz-Isolierglas INFRASTOP® Q III 54/25 auf Basis einer Pilkington Suncool Beschichtung Q 60 eingebaut. Das Glas hat eine Lichtdurchlässigkeit von 54% bei einer Gesamtenergiedurchlässigkeit von 25%, weist eine hohe Farbstabilität auf und verfügt über ein neutrales Erscheinungsbild mit geringer Reflexion. Als Basisglas beriet Flachglas MarkenKreis das CO₂-reduzierte Pilkington Mirai™. Durch den Einsatz eines hohen Anteils an recyceltem Glas, alternativen Brennstoffen und erneuerbarem Strom konnte der CO₂-Ausstoß im Herstellungsprozess dieses Basisglases reduziert werden.
In den Obergeschossen wählte ZÜBLIN das Sonnenschutz-Isolierglas INFRASTOP® Neutral III 63/39 auf Basis einer Suncool Beschichtung 70/40. Das in der Ansicht sehr neutrale Glas mit sehr niedriger Reflexion weist eine Lichtdurchlässigkeit von 66 % auf. Die dahinter liegenden Büros erhalten Tageslicht über die großzügigen Verglasungen. Für eine adaptive Steuerung des Sonnenlichteinfalls wurden außenliegende Lamellenraffstores installiert. Innenliegende Rollos unterstützen einen blendarmen Arbeitsplatz am Bildschirm.
Zirkularität war beim Ausbau der Verglasungen aus den Bestandsfassaden ein wichtiger Aspekt. Flachglas MarkenKreis hatte schon 2002 beim Neubau des Z-zwo die Verglasung beraten und konnte daher diesen Prozess mit seiner Expertise begleiten. Bestandsverglasungen wurden einem hochwertigen Recyclingprozess zugeführt und als sogenannte Post-Consumer-Scherben wieder der Schmelzwanne beigegeben, wodurch ein Teil des Glasmaterials erneut für die Herstellung von Glas genutzt werden kann. Diese Möglichkeiten des Recyclings von Glas sind ein Baustein für die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Gelungene Modernisierung
Mit der Modernisierung des Z-zwo zum Z2 zeigt ZÜBLIN, wie ein Bestandsgebäude durch den Erhalt des Massivbaus und der Gebäudestruktur weiterentwickelt werden kann. Das Gebäude ist für das DGNB-Platin-Zertifikat sowie die QNG-Premium-Auszeichnung vorgesehen.
Objektdaten:
Bauherr: Ed. Züblin AG, Stuttgart, vertreten durch STRABAG BRVZ Corporate Real Estate Management
Fassadenbau:
– Forster Fassadentechnik GmbH, Mitterteich
– ZÜBLIN Timber GmbH, Aichach
Glastechnische Beratung: Flachglas Markenkreis GmbH, Gelsenkirchen
Basisglas: Pilkington Deutschland AG Gladbeck
Isolierglas: FLACHGLAS Wernberg GmbH, Wernberg-Köblitz
Titelbild oben: Nils Schubert